1. Namensursprung

Etwa 15 km südöstlich von Guttstadt im ehemaligen Ermland (Ostpreußen) auf etwa halbem Weg nach Wartenburg liegt das Dorf Grunenberg. Die Region war lange Zeit ein vom baltischen Volk der Prußen bewohntes Gebiet. Das galt lange bis in die Zeit des Deutschen Ordens hinein. Die Prußen waren eines der drei Völker (Litauer, Letten und Prußen), die das Baltikum bewohnten. Nach dem Sieg des Deutschen Ordens über die Prußen kamen deutsche Siedler ins Ermland. Die Bevölkerungsmehrheit bestand aber nach wie vor aus Prußen. Sie hatten eine eigene baltische Sprache und Kultur und wohnten lange Zeit in eigenen Siedlungsgebieten wie z. B. zwischen Guttstadt und Wartenburg.

Das Dorf Grunenberg wurde vor 1376 als Grawdekayme bezeichnet. Der Name stammt aus dem Prußischen und bedeutet soviel wie "grünes, fruchtbares Dorf oder Berg". Mit der Verbreitung der deutschen Sprache im Ermland wurde das Dorf nach 1376 als Grunenberg oder Gradtken (Kurzform von Grawdekayme) bezeichnet. Bei der Einführung der Nachnamen erhielten die Dorfbewohner die Herkunftsbezeichnung Grunenberg.

Das Dorf Grunenberg liegt heute in Polen und heißt Gradki.

 

 

 

 

 

 

Steinfigur aus prussischer Zeit im Schlosshof von Allenstein und ein Nachkomme mit prussischen Wurzeln.  Der Nachname Grunenberg leitet sich von der gleichnamigen Ortsgründung durch die Prussen ab. Zu prussischer Zeit hieß das Dorf "Grawdekayme" (grünes, fruchtbares Dorf oder Berg) und wurde  1409 in Grunenberg umbenannt.

Geschichte der Familie Grunenberg

 

2. Der älteste bekannte Namensträger Grunenberg [Ermland: Generation 9]

Meine Vorfahren lebten bis um 1900 in Grunenberg und der näheren Umgebung (Alt Wartenburg und Tengutten). In der ältesten bekannten Bauernliste des Ermlands aus dem Jahr 1688 wird "Gregorius Gruneberk" (ID 1024) als Bauer in Alt Wartenburg genannt. Er hatte 2 Hufen Land, 3 Pferde, 2 Ochsen, 2 Kühe und weiteres Vieh. Damit war er als Bauer relativ gut betucht.  

 

3. Nachfolgende Generationen in Alt Wartenburg

Der Enkel von Georg Grunenberg erbte den Hof in Alt Wartenburg und war zeitweilig Gutspächter im Dorf Grunenberg (Gradtken). Sein Vorname ist leider nicht überliefert (ID 256). Sein Sohn Peter Grunenberg (ID 128) erbte den Hof nach dem Tod seines Vaters. Peter Grunenberg hatte männliche Nachkommen, vermachte aber den Hof an seinen Schwiegersohn namens Krebs zwischen 1801 und 1824. Warum Peter den Hof nicht an einen seiner Söhne vererbte, bleibt im Dunkel der Geschichte. Man kann wohl von einem Familienzwist ausgehen, denn nun begann der soziale Abstieg der nachfolgenden Generationen.  Peters Sohn, Johannes Grunenberg (ID 64) lebte in Alt Wartenburg als Instmann (Tagelöhner). Er hatte aber keinen Hof und war auch kein Bauer wie seine Vorfahren.

 

4. Grunenberg in Tengutten

Peters Enkel war Josef Grunenberg (ID 32). Dieser zog von seinem Geburtsort Alt Wartenburg in das nahegelegene Gutsdorf Tengutten. Auch er war, wie auch seine Nachkommen, Instmann. Josef Grunenberg hatte 8 Kinder. Auf ihn fiel ein Baum im Wald und er war danach völlig verwirrt. So verließ er im tiefsten Winter bei hohem Schnee barfuß das Haus. Er starb mit 54 Jahren und der Pfarrer trug als Todesursache Nervenfieber ins Kirchenbuch.

Sein erster Sohn Valentin Grunenberg (ID 16) wurde im Jahr 1842 in Tengutten geboren und starb im Alter von nur 44 Jahren an Typhus. Dieser wiederum hatte 7 Kinder, eines davon war mein Großvater Valentin Grunenberg (ID 8). Er erblickte im Jahr 1879 in Tengutten das Licht der Welt. Valentin verließ das Ermland und zog ins Ruhrgebiet. Tengutten heißt heute Teguty und liegt in Polen.

 

5. Valentin Grunenberg (ID 8)

Mein Großvater wurde in Tengutten als sechstes Kind einer neunköpfigen Familie geboren. Aus Erzähungen weiß ich, dass der Familie nur ein Raum zur Verfügung stand. Zur Schule nach Tollack (4 km entfernt) ging mein Großvater barfuß, um die Schuhe zu schonen. An der Schule angekommen, reinigte er die Füße in einem Brunnen und zog erst dann die Schuhe für den Unterricht an. Valentin ging 4 Jahre zur Schule.

Den Militärdienst leistete er vom 17. Oktober 1901 bis zum 21. September 1903 in Hagenau im Elsaß bei der 11. Kompanie 2. Unter-Elsässisches Infanterie Regiment Nr. 137 ab. Er verließ die Armee als Musketier. Im Führungszeugnis wurde die Note "gut" vergeben und es gab keinen Vermerk  über gerichtliche und dienstliche Strafen.

 

 

 

 

 

 

Valentin Grunenberg (ID 8) während seines

Militärdienstes um 1903 in Hagenau/Elsass.

 

 

 

 

 

Valentin Grunenberg bei einem Heimaturlaub um 1903. Die Foto wurde in einem Studio in Allenstein aufgenommen.

 

 

Nach seinem Militärdienst im Elsass zog Valentin Grunenberg ins Ruhrgebiet und begann als Lehrhauer im Bergbau. Bereits ein Jahr nach seiner Ankunft in seiner neuen Heimat heiratete er im Alter von 25 Jahren die vier Jahre jüngere Katharina Wohlgemuth, die ebenfalls aus dem Ermland in Ostpreußen stammte. Die standesamtliche Heirat fand im September 1904 in Gelsenkirchen 6 (GE-Hüllen) statt und auch das erste Kind Maria wurde in Hüllen geboren (1905). 9 weitere Kinder erblickten in der Bergstraße  33a in Wanne (jetzt Herne) das Licht der Welt. 7 von den insgesamt 10 Kindern erreichten das Erwachsenenalter und bekamen selber Kinder.

Hochzeitsfoto von Valentin Grunenberg und Katharina Wohlgemuth aus dem Jahr 1904. 

 

Nach der Geburt der ersten sechs Kinder wurde Valentin 1914 zum 1. Weltkrieg einberufen. Er bediente dort ein damals hochmodernes wassergekühltes Maschinengewehr. An der Front verlor er ein Bein und kam nach Berlin-Oberschöneweide ins Kasernen-Lazarett. Der Krieg war für den Invaliden zu Ende.

Valentin Grunenberg im 1. Weltkrieg (mit Kreuz gekennzeichnet) und als Bildausschnitt. Die schrecklichen Kriegsererlebnisse haben ihn merklich altern lassen.

1924 wurde das letzte Kind geboren und bereits 1926 starb Katharina Wohgemuth im Alter von nur 43 Jahren an Tuberkolose.

Valentin blieb in der Wohnung in der Bergstraße 33a bis 1946 wohnen; zunächst mit seinen beiden jüngsten Töchtern. Die Wohnung bestand aus einer Küche, dem Schlafzimmer und der sogenannten "3. Stube". Das zweitjüngste Kind Käthe gab er dann ab an seine in Berlin lebende Schwester, die keine Kinder bekommen konnte. Käthe wurde gegen das jüngste Kind Margarete "getauscht", die zuvor in Berlin bei der Tante lebte. Margarete kam zurück nach Wanne-Eickel, weil sie starkes Heimweh hatte.  [Ermland: Generation 2]

Valentin Grunenberg mit 4 seiner Töchter. Geschätztes Aufnahmejahr 1929.

Von links nach rechts: Hedwig, Gertrud, Valentin , Margarete, Therese.

 

Trotz der bescheidenen finanziellen Situation als Invalide ließ sich Valentin Grunenberg gerne mit seinen Kindern beim Fotografen ablichten. Zwischen den beiden Aufnahmen liegen geschätzt 3 Jahre. Als Kriegsversehrter arbeitete Valentin Grunenberg auf der Zeche "über Tage". Das führte zeitweilig zur Kürzung der Invalidenrente. In Erinnerung blieb meinem Bruder Karlheinz der Ausspruch mit scharfem rollenden R in ostpreußischem Dialekt: "Bein ab bis zum Arsch, aber Geld gibt es nicht."

Nach dem Krieg schusterte Valentin. Ob diese Tätigkeit, wie bei seinem Sohn Bruno, im Auftrag der Zeche erfolgte, ist nicht überliefert.

Sein amputiertes Bein wurde mehrfach gekürzt. Beim Stumpfreißen hatte Valentin starke Schmerzen. Die Ärzte sprachen von verknoteten Nervenenden als Ursache. Brach Valentin einen Besuch bei uns zu Hause wegen eines sich anbahnendem Wetterumschwungs ab, schickte mich meine Mutter zur Begleitung mit. Valentin war das unangenehm. Er wollte seine starken Scherzen dem Enkel gegenüber nicht zeigen und schicke mich regelmäßig wieder nach Hause. Für mich eine zwiespältige Situation. Meine Mutter wollte, dass ich mitgehe und mein Opa wollte das auf keinen Fall.    

 

 

 

 

Valentin Grunenberg mit seinen Töchtern Gertrud und Margarete um 1932 (Aufnahmejahr geschätzt).

Zeit seines Lebens spielte Valentin gerne. Viele Stunden verbrachte er mit seiner Enkelin Irmgard beim Romee in der Bergstraße. War er mit Verwandten  beim Spiel, kam rasch der Einwand "sind wir hier zum Reden oder zum Spielen". Nach seinem Umzug in die Mathildenstraße spielte er stundenlang mit sich selber Karten und mit einem selbstgebasteltem Spiel aus Holz (Solitär). Ich erinnere mich noch an den dicken Zigarrenqualm hinter dem mit Opa leidenschaftlich "geklammert" wurde.  

[Ermland: Generation 2]

 

 

Valentin Grunenberg geschätzt um 1935 auf einem Passfoto. Seit dieser Zeit rasierte er sich aus Sparsamkeitsgründen sein Kopfhaar. Opa Valentin hatte von heute auf morgen eine Glatze.

 

 

 

 

 

Treffen von Kriegsveteranen am Hermannsdenkmal. Valentin Grunenberg vermutlich vorne, 3. von links.

Geschätztes Jahr der Aufnahme: 1940er Jahre.

Valentin Grunenberg war immer ein sehr sparsam lebender Mann. Ab Mitte der 1930er Jahre rasierte er sich regelmaßig sein Haupthaar. Damit sparte er sich den Gang zum Friseur. Es scheint nicht ungewöhnlich zu sein, dass ein Mann mit über 50 Jahren ein Glatze hat. Doch weiß ich von meinem Vater, dass Valentin auch im Alter von über 80 Jahren noch einen dichten Haarkranz hatte. Es fiel nur regelmäßig der Rasur zum Opfer.

Die Enkel fanden Opa Valentin zuweilen "geizig". Erhofftes und ersehntes Wechselgeld nach einem Kartenspiel unter Männern ging nicht als "Trinkgeld" an die Enkel. Selbst Ein- und Zweipfennigstücke wurden noch nach Wochen zurückgefordert.

 

 

Valentin Grunenberg (vorne rechts) 1943 bei der Hochzeit seiner Tochter Käthe in Berlin.

In der 2. Reihe, 2. von rechts Valentins Schwester Gertrud Grunenberg, verh.  Striebel.

Gegen Kriegsende zog Valentin Grunenberg von der Bergstraße in die Mathildenstraße 11 in Wanne-Eickel. Diese Wohnung wurde zuvor von den Familien seiner Töchter Hedwig und Theresia bewohnt. Nach deren Umzug nach Bochum bzw. Evakuierung nach Pommern folgten Sohn Bruno (ausgebomt in WAN-Röhlinghausen) mit Familie und Tochter Margrete mit Ehemann. Valentin bewohnte das Zimmer im Obergeschoss zur Gartenseite. Im Nachbarhaus (Mathildenstraße 13) lebte die Tochter Gertrud Elisabeth mit Familie in einem Zimmer.

1952 zog Valentin Grunenberg zusammen mit der Familie seiner Tochter Margrete nach Dortmund in die Volmarsteiner Straße. Als diese Wohnung wegen anstehendem Nachwuchs zu klein wurde, ging es für Valentin zurück nach Wanne-Eickel in die Claudiusstraße zu seiner Tochter Theresia. Dort wohnte er bis zu seinem Tod.

Man erkennt leicht, dass Valentin sein Leben lang von seinen Kindern umgeben war. Das spricht sicherlich für seinen ausgeprägten Familiensinn.

Valentin Grunenberg auf dem Hof der Mathildenstraße 11 (oben links). Das Foto entstand  vermutlich um 1954 auf der Kommunionfeier seines Enkels Bernd. 

Die anderen Bilder: Valentin Grunenberg 1962 auf der Hochzeitsfeier der Enkelin Marga.

 

 

So haben meine Geschwister, Cousinen, Cousins und ich unseren Großvater Valentin Grunenberg in Erinnerung: Ein vitaler, kraftvoller älterer Herr.

Aufnahme Juli 1960 : Valentin Grunenberg mit 81 Jahren. Das Alter sieht man ihm wahrlich nicht an!

1964 starb Valentin Grunenberg in Alter von 85 Jahren im St. Anna Hospital  von Wanne-Eickel an Darmverschlingung. Er wurde auf dem Wanne-Eickeler Waldfriedhof beerdigt. Das Grab lag in unmittelbarer Nähe der letzten Ruhestätte seiner Ehefrau Katharina, die 38 Jahre vor ihm gestorben war. Für die Lage des Grabes hat sich der Ehemann einer Enkelin (Marga) eingesetzt.

Meinen persönlichen Abschied nahm ich im Alter von 10 Jahren von meinem Opa, in dem ich ihm in der Leichenhalle die Hand streichelte. Als Toter sah er zwar blass aber ansonsten wie ein friedvoll Schlafender aus. Opa Valentin, ich werde dich nie vergessen! 

[Ermland: Generation 2]

 

Danke allen Familienangehörigen (Enkel und Urenkel von Valentin), die mich so toll mit Fotos und Infos in einem Maß "eindeckten", dass ich nie für möglich gehalten hätte:

Jutta Burkert, Christa Scholle, Karlheinz Grunenberg, Irmgard Breidenbach, Martin Andrzejewski, Bernhard Grunenberg, Michaela Gärtner, Gerti Sojka, Margret Fest, Thomas Andrzejeski, Marga Weiß, Bernd Grunenberg, Brigitte Hengst. Ich bitte um Nachsicht, falls ich jemanden unbeabsichtigt vergessen haben sollte.

Mein Dank geht auch an meine Tante Käthe, die mich immer wieder aufforderte und motivierte die Geschichte der Grunenberg zu erforschen. Leider wusste ich zu ihren Lebzeiten nicht wie man das machen kann.

 

6. Bruno Grunenberg (ID4)

Mein Vater wurde als viertes Kind einer 12-köpfigen Familie in Wanne, Bergstraße 33a (heite Herne, Am Berg) geboren. Sechs seiner 9 Geschwister erreichten das Erwachsenenalter und hatte selber Kinder. Nach dem 8-jährigen Besuch der Volksschule in Wanne-Bickern schloss sich eine Schuhmacherlehre an. Als Geselle arbeitete er in Havixbeck im Münsterland. Durch die hohe Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik musste Bruno Grunenberg seinen Beruf aufgeben und fing, wie sein Vater, im Bergbau als Hauer an.      

 

 

Bruno Grunenberg (ID 4) auf einem Klassenfoto vor der Bickernschule um 1920. Es ist gleich-zeitig die älteste Aufnahme meines Vaters.

Nachdem seine Mutter im Oktober 1926 an Tuberkolose gestorben war hielt er sich ein Monat später in Bad Driburg. Es könte sich dabei um eine vorbeugende Gesundheitsvorsorge des damals 17-jährigen gehandelt haben

Aufenthalt in Bad Driburg am 29.11.1926. Bruno Grunenberg in der mittlerer Reihe rechts und im Bildausschnitt.

 

 

Bruno Grunenberg als junger von ca. 20 Jahren. Mit An-zug und Krawatte ließ er sich immer gerne fotografieren. 

Im Juli 1932 hielt sich Bruno Grunenberg in Volmarstein auf. Der Anlass ist leider nicht mehr bekannt. linke Aufnahme: vorne links, rechte Aufnahme: Bildmitte.

 

1937 heiratete Bruno Grunenberg, die fünf Jahre jüngere Johanna Grenda. Mit ihr bezog er eine Wohnung in der Bochumer Straße 269 in Wanne-Eickel. Die Wohnung lag direkt über der Wohnung seiner Schwiegereltern. Ein Jahr später (1938) bekam das Paar ein Kind und nannte es nach dem Vater Bruno Grunenberg (ID 2a). Bereits Ende 1940 starb Johann Grenda in alter von nur 26 Jahren an Krebs.

Bildergalerie des Ehepaars Grunenberg/Grenda, zum Teil mit Brunos Schwester Therese Grunenberg bei einer Radtour nach haltern Grunenberg und Sohn Bruno Grunenberg. Die fast gleichaltrigen Therese Grunenberg und Johann Grenda waren engbefreundet. Es gibt mehere Fotos mit den beiden Frauen.

 

Der Witwer Bruno Grunenberg begann relatisc schnell die Suche nach einer zweiten Ehefrau. Sohn Bruno war erst drei Jahre alt, denn die Arbeit als Bergmann und Alleinerzieher zu sein, war nur schwer vereinbar.

Seine zweite Ehefrau Maria Klein lernte Bruno Grunenberg über eine Heiratsanzeige kennen. die Maria Klein zugesandten Fotos gibt es noch heute.

Mit den beiden linken Fotos stellte sich Bruno Grunenberg seiner zukünftigen Ehefrau Maria Klein 1941 vor. Ca. ein halbes Jahr nach der Hochzeit im Januar 1942 sind die beiden zum erstemal gemeinsam auf einem Foto zusehen.

 

Im Janur 1942 heirateten Bruno Grunenberg und Maria Klein. Im Oktober kam deren erstes gemeinsames Kind zur Welt. Das Paar lebte zu dieser in Wanne-Eickel, Stadtteil Röhlinghausen, Bocher Str. 269. Wegen des Zeiten Weltkrieges wurde Maria Klein mit ihren Kindern  nach Marienbad/Tschechei evakukiert. Sie war zu dieser Zeit erneut schwanger. Das Ehepaar war keine lange gemeinsame Zeit beschieden. In Marienbad kam das dritte Kind von Bruno Grunenberg zur Welt. Fast zeitgleich wurde Bruno Grunenberg in röhlinghausen ausgebombt und zog in die Mathildenstr. 11. Seine Schwester Hedwig hatte die Räumlichkeiten gerade frei gemacht.

Der Rückweg von der Evakukierung in de Tschechei nach dem 2. Weltkrieg war für meine Mutter unglaublich hart. Sie musste den Weg mit den drei 1,3 und 7 Jahren alten Kindern fast ausschließlich zu Fuß zurücklegen. Eine Mitnahme auf den wenigen Fahrzeugen gelang fast nur den Erwachsenen. Auf Kinder wurde keine Rücksicht genommen, denn jeder war sich selbst der Nächste. Sohn Bruno Grunenberg fühlte sich für die hungernde Familie verantwortlich und ging regelmäßig mit nur 7 Jahren für seine Mutter und kleinen Geschwister "organisieren". Was mag in der streng gläubigen Katholiken Maria Klein vorgegangen sein? Als die Familie in Essen am Steeler Wasserturm angekommen war, erkannte der 7-jährige Junge aus ca. 10 km Entfernung die Kirchen seiner Heimat und rannte meiner Mutter weg. Sie war verzweifelt. Bruno betrag die Wohnung seiner Oma, die gerade Pellkartoffeln gekocht. Der ausgehungerte 7-Jährige Bruno schnappte sich eine kochend heiße Kartoffel und ließ sie nicht mehr los. Als Oma sagte, dass er die heiße Kartoffel zur Seite legen soll, denn er können alle habe, entgegnete der Junge: "Oma, du hast keine Ahnung!" Diesen Ausspruch wiederholte meine Oma auch noch viele Jahre nach Kriegsende.

Meine Mutter suchte währenddessen ihren davongelaufenen Sohn. Zeitgleich schwärmte die Familie in alle Himmelsrichtungen (nahegelegene Bahnhöfe, Bushaltestellen, etc.) ab, um sie zu suchen, denn auch Bruno wusste nicht in welcher Stadt er davongelaufen war.

Erst nach 2 Tagen fand sich die Familie wieder.

 

 

Die wiedervereinte Familie nach Kriegsende 1945. Mit diesen 3 Kindern legte Maria Klein die Strecke von dre Tschechei ins Ruhrgebiet ausgehundert zu Fuß zurück. Der 7-jährige Bruno "organisierte" während der Heimkehr, um die Familie am Leben zu halten. 

Im Bergbau verlor mein Vater währedn des krieges bei einem Arbeitsunfall eineinhalb Finger der rechten Hand. Nur 2 Finger der Hand konnte er danach noch bewegen. Mit seinen abgequetschten Fingern musste er bis Schichtende ausharren. Für solche "Bagatellunfälle" wurde der Förderkorb nicht bewegt. Danach konnte nicht mehr als Hauer arbeiten. Er wurde Födermaschinist unter Tage. 

Nach dem 2. Weltkrieg bearbeitete Bruno Grunenberg (Bildmitte links) Arbeitsschuhe im Auftrag der Zeche in der Emscherstraße in Wanne-Eickel. Rechts Bild: Bruno Grunenberg (vorne rechts) beim Schichtwechsel. Die schwarzen Bergleute hatten Schichtende, für meinen Vater fing die Schicht an. Es gab keine zur Verfügung gestellten Helme. mein Vater hatte immerhin einen Helm aus Leder.   

 

1954 kam ich als viertes Kind von Bruno Grunenberg zur Welt. Bis zur Mitte der 60iger Jahre konnten meine Eltern wegen der Kinder nicht gemeinsam in Urlaub fahren. Mein Vater fuhr in der Zeit mehrere Mal in das Bauerndorf Bauerndorf Breuna in Nordhessen; meist mit mir. Die Reise war von der Zeche organisiert und es fuhren zahlreiche Bergleute mit. Auch meine Mutter fuhr dort hin in Urlaub und nahm mich mit. Erst Mitte der 1960er Jahre gab es gemeinsame Urlaube meiner Eltern nach Breuna. Auch nach Österreich ging es eimal nach Vöcklamarkt.   

Urlaub meiner Eltern im Nordhessischen Dorf Breuna.Oben: der Bauernhof auf dem wir ein Zimmer hatten, Ehrung zum 20sten Aufenthalt (meine Eltern und ich in der Bildmitte). Unten: Impressionen von Wanderungen. 

 

Die große Leidenschaft meiner Eltern war der hinter dem Haus liegende Nutzgarten. Obst und Gemüse wurden dort angebaut. Zwei Beete waren für Blumen reserviert, um die sich meine Mutter kümmerte. Stundenlang entkernte mein Vater im Sommer große Mengen an Sauerkirschen aus dem eigenen Garten. Als Hobby hatte er das Briefmarkensammeln und den Fußball. Mit ihm und anderen Bergleuten war ich mit dem Fahrrad oft in der ca. 6 km entfernt liegenden Grlückaufkampfbahn des FC Schalke 04. Alle Auswärtsspiele wurden leiodenschaftlich im Radio verfolgt. Zwei bei Bergleuten sehr verbreitete Hobbys hatte mein Vater nicht: Die Taubenzucht war von meiner Mutter untersagt worden: "Die scheißen nur alles voll". Und mein Vater ging nie in Gaststätten und betrank sich. Seine oberste Maxime war, seinen Kindern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen. Keiner sollte auf einer Zeche müssen. Er hat dieses Ziel erreicht.    

Bruno Grunenberg vor dem Kirschbaum, der sich noch prächtig entwickeln sollte. Meine Eltern auf der Gartenbank. Mein Vater beim Entkernen von Kirschen.

 

1969 bekam Bruno Grunenberg einen schweren Herzinfarkt. Das Leben änderte sich schlagartig. Jetzt, wo die zeit gekommen war, gemeinsame Wanderurlaube in Österreich zu machen, konnte Bruno Grunenberg nicht mehr dort hinreisen. Das Arbeitsleben endete. 1974 bekam er seinen zweiten Infarkt im S. Anna-Hospital zu Wanne-Eickel. In diesem Krankenhaus machte ich zu dieser Zeit meinen Zivildienst. Vom Tod wurde ich vom behandelnden Arzt unterrichtet. Ich war da erst 20 Jahre alt. Danach trat ich den Weg zu meiner Mutter an, um sie vom Tod ihres Mannes zu unterrichten. Der eine Kilometer war der längste Weg meines Lebens.

Im St. Anna-Hospital war auch sein Vater Valentin Grunenberg und seine Schwiegermutter Maria Viktoria Klein gestorben. Fast 20 Jahre später folgte an gleicher Stelle sein namensgleicher Sohn.   

 

Bruno Grunenberg (ID 4)

Ende der 1960iger Jahre.

 

 

Das letzte Foto kurz vor dem Tod vom Bruno Grunenberg (ID 4). Eine typische Aufnahme: Selbst beim Anbringen eines Vogelhäuschens akurat gekleidet.