Geschichte der Familie Hagedorn

 

1. Namensursprung

Hagedorn ist ein Wohnstättenname, der sich vom mittelhoch- und niederdeutschem "Hagedorn" (Weißdorn) ableitet.

 

2. Hagedorn in Kreuzebra

Der älteste bekannte Namensträger ist der um 1610 geborene N. Hagedorn (ID 2848 und ID 2912). Dieser Hagedorn ist in zwei Linien mein Vorfahre. Mit Catharina N. hatte er vermutlich neun Kinder. Da seine Nachkommen zum Teil in Kreuzebra wohnten, kann man annehmen, dass er in diesem Eichsfelddorf lebte vielleicht sogar geboren wurde. Gesichtert ist das wegen fehlender Dokumente nicht. In der Türkensteuerliste von 1548 kommt der Name Hagedorn aber noch nicht in Kreuzebra vor.

Sein Sohn Johannes Hagedorn (ID 1424 und ID 1456) wurde um 1630 geboren und mehrfach zwischen 1666 und 1694 in Kreuzebra als Pate erwähnt. Er starb dort im Jahr 1712. Mit Barbara N. hatte er vier Kinder.

Der jüngste Spross der Familie wurde 1673 in Kreuzebra geboren: Clemens Hagedorn (ID 712 und ID 728). Vier Kinder sind von ihm bekannt. Clemens Hagedorn war zwischen 1688 und 1698 mehrfach Pate von Kindern, die in Kreuzebra getauft worden sind. 1709 wurde Clemens Hagedorn bei der Vergabe von Kirchenstühlen in Kreuzebra genannt. Sein Stuhl stand auf der linken Seite in der Kirche. Er starb in seinem Geburtsort im Jahr 1736 im Alter von 63 Jahren.

Sein jüngster Sohn Johannes Hagedorn (ID 356 und ID 364) erblickte im Jahr 1723 ebenfalls in Kreuzebra das Licht der Welt. 1738 wurde er dort als Pate genannt.

 

3. Hagedorn in Steinbach

Johannes Hagedorn (ID 356 und ID 364) heiratete im Jahr 1753 Anna Elisabeth Riedmeyer aus Steinbach und zog an den Geburtsort der Braut. Aus der Ehe gingen zwischen 1754 und 1760 drei Kinder hervor. 1771 fand Johannes Hagedorn Erwähnung als Pate in den Kirchenbüchern von Steinbach. Mit 80 Jahren starb er 1797 in Steinbach.

Über seinen ältesten Sohn Johann Philipp Hagedorn (ID 178 und ID 182) finden sich an anderer Stelle Präsentationsfolien eines Vortrages unter dem Titel: "Philipp Hagedorn - Ein Lehrer auf dem Eichsfeld des 18. Jahrhunderts" [siehe Vorfahren-Geschichten: HAGEDORN Johann Philipp, Eichsfeld]. Er wurde 1754 in Steinbach geboren und heiratete dort in erster Ehe Catharina Elisabeth Müller, mit der er ein Kind namens Catharina Elisabeth Hagedorn (ID 89) hatte. Noch im Kindbett starb seine Ehefrau.

 

4. Hagedorn in Schönhagen und Wüstheuterode

Vier Monate nach dem Tod der ersten Ehefrau heiratete Johann Philipp Hagedorn ein zweites Mal. Die Ehe wurde in Schönhagen (Pfarrei Birkenfelde) geschlossen. Mit Anna Margaretha Wehling hatte Johann Philipp sechs Kinder, die alle in Schönhagen getauft wurden. Als zweite Tochter kam Maria Elisabeth Hagedorn zur Welt. Zeit seines Lebens war Johann Philipp Hagedorn als Lehrer und Küster tätig. Details zu seinem Wirken finden sich - wie erwähnt - an anderer Stelle. Johann Philipp Hagedorn lebte in großer Armut. 1789 schrieb er an das Bischöfliche Kommissariat in Heiligenstadt: "Seit 6-7 Jahren habe ich mit meinem Schuldienst kaum das trockene Brot satt zu essen und habe [nicht] in Vergnügen gelebt."  

 

5. Lehrer Johann Philipp Hagedorn (ID 178 und ID 182)

Versetzungsgesuch von Johann Philipp Hagedorn an das Bischöfliche Geistliche Kommissariat in Heiligentadt aus dem Jahr 1789 mit der Unterschrift: "unterthänigster Diener Philipp Hagedorn". Lehrer hagedorn bat um Versetzung nach Kirchgandern, nachdem der dortige Schullehrer "mit dem Tode abgegangen" war. Der Versetzung wurde nicht stattgegeben, weil sich kein Nachfolger von Lehrer Hagedorn für das Dorf Schönhagen gab.

Das Einkommen des Lehrers in diesem Ort war einfach zu gering. 

[Ich danke für Maria Gorsler vom archiv des Bischöflichen Kommissariats für die Bereitsstellung des Dokumentes und ihre Transkriptionshilfen.]

 

Auf dem Eichsfeld gab es bis zum 19. Jahrhundert viele Lehrer mit dem Nachnamen Hagedorn. Ob sie miteinander verwandt sind, ist nicht bekannt. Man kann bei einigen aber davon ausgehen, da der Beruf des Lehrers in dieser Zeit oft vom Vater auf den Sohn überging. Hagedorn als Lehrer gab es in Bickenriede, Martinfeld, Rüstungen, Großbartloff und Hilbrandshausen. Auch sein Sohn Paul wirkte als Lehrer (Schachtebich und Freienhagen).

1783 besuchte Johann Philipp Hagedorn die Normalschule (Vorläufer des  Lehrerseminars) in Heiligenstadt und nahm im gleichen Jahr eine Anstellung in Schönhagen an. Sein Leben war äußerst kärglich. Lehrer hatten im 18. Jahrhundert auf dem Eichsfeld ein sehr geringes Einkommen. Es hing zu dem von der Zahl der Schüler ab. Im sehr kleinen Eichsfelddorf Schönhagen konnte Johann Philipp Hagedorn mit seiner Familie kaum von seinen Einkünften leben. Selbst mit seiner Tätigkeit als Küster lebte er am Existenzminimum. In Notzeiten ernährte er sich zusammen mit seiner Familie von Birkenrinde.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Schönhagen wurde Johann Philipp Hagedorn von seinem Vorgänger Rudolph Jäger hintergangen. Er hatte die Naturalabgaben in Form von Gerste und Korn für das Jahr 1784 mitgenommen, die dem neuen Lehrer in diesem Jahr zugeständen hätten. Drei Jahre später beklagte sich Lehrer Hagedorn, dass die Gemeinde Schönhagen an Stelle der vereinbarten 12 nur 9 Gute Groschen als Schulgeld pro Kind entrichtete. Auch die Naturalabgaben an Holz, Korn und Gerste wurden nicht geliefert.   

Um ein höhreres Einkommen zu erzielen, bemühte sich Lehrer Hagedorn um Versetzung nach Kirchgandern (1789), Gerbershausen (1799), Lindau (1808) und Hohengandern (1813). Die Versetzungsgesuche wurden seitens des Bischöflichen Kommissariats in Heiligenstadt abgelehnt. Man hätte sonst keinen Nachfolger für Schönhagen mit seinen sehr geringen Einkünften gehabt.

1814 gelang Lehrer Hagedorn im Alter von 60 Jahren die Versetzung nach Wüstheuterode. Dort wirkte er bis 1822 und starb im gleichen Jahr.

Mit einem Brief an König(!) Friedrich Wilhelm von Preußen machte Johann Philipp Hagedorn auf seine hoffnungslose Lage am 19. September 1805 aufmerksam:

"Eure königliche Majestät wage ich alleruntertänigst vorzustellen. Als armer Schulmann mit vielen ehelichen Kindern versehen, kann ich neben meiner Handarbeit mich und meine Frau und Kinder unmöglich ernähren. In großer Armut habe ich mich und die Meinigen ehrlich und christlich zu unterhalten und bin nicht im Stande wegen Armut meine große Familie zu unterhalten. Das Schulgeld ist sehr gering, weil ich es niemals [vollständig] jährlich erhalten habe… [Zusatz:] Not: Ich bitte mich von Kosten [für das Briefporto] zu verschonen.

Aller untertänigsterrKnecht Hagedorn." Allein es half ihm nichts.

Wie gering das Bildungsniveau um 1800 auf dem Eichsfeld war, belegt folgende Tatsache. 1836 mussten 22 ehemalige Schüler von Johann Philipp Hagedorn ein Dokument der Gemeinde Schönhagen unterzeichnen. Nur zwölf von ihnen konnten im Erwachsenenalter ihren Vor- und Zunamen schreiben. Fast die Hälfte unterzeichnete mit drei Kreuzen.

Die Einführung eines neuen Gesangbuch auf dem Eichsfeld um 1815 kostete Johann Philipp Hagedorn fast das Leben. Als Küster musste er die in der Bevölkerung äußerst unbeliebten neuen Kirchenlieder in Thalwenden vorstellen. Ihren Unmut brachten die Dorfbewohner dadurch zum Ausdruck, in dem sie den Lehrer mit Steinen bewarfen. 

Seine Töchter Catharina Elisabeth Hagedorn (ID 89) aus erster Ehe und Maria Elisabeth Hagedorn (ID 91) heirateten Karl Andreas Österheld (ID 88) und Karl Durstewitz (ID 90). Zwei Kinder aus diesen beiden Ehen sollten später in Schönhagen heiraten. Dabei kam es zu heftigen Meinungsverschiedenheiten mit dem Birkenfelder Pfarrer Siebert, über die an anderer Stelle ausführlich berichtet wird: "ÖSTERHELD, Johann Franz, Eichsfeld" .