Geschichte der Familie Klein

 

1. Namensursprung und Herkunft

Mein Familienzweig mit dem Namen Klein stammt aus dem Hunsrück. Die Namenslinie reicht von meiner Mutter Maria Klein (ID 5) bis zum Spitzenahnen Johannes Klein (ID 2688), der um 1635 geboren wurde. Nach dem familienkundlichen Wörterbuch des Dudens ist der Name ein sogenannter Übername, der sich auf körperliche Eigenheiten zurückführen lässt. Das mittelhochdeutsche Wort klein(e) bedeutet soviel wie "schmächtig, zart, mager, niedlich, zierlich, klein".

 

2. Der Spitzenahne

Von Johannes Klein (ID 2688) kennen wir auf Grund fehlender Dokumente und Aufzeichenung nicht den Geburtsort. Er wurde um 1635 geboren und lebte in Gutenthal. Es kann vermutet werden, dass auch die Vorfahren von Johannes in Gutenthal lebten.

 

3. Nachfolgende Generationen in Gutenthal

In Gutenthal wurden die Kinder von Johannes Klein geboren. Er ist in drei Vorfahrenslinien der direkte Ahne meiner Mutter Maria geb. Klein.

Auch sein Sohn Adam Klein (geboren um 1660, ID 1344) lebte bis ins Erwachsenenalter hinein in Gutenthal. Adam Klein hatte mit Anna Catharina fünf Kinder.

Als drittes Kind wurde Mathias Klein (ID 672) um 1685 geboren. Mit seiner ersten Ehefrau Maria bekam er dort 6 Kinder. Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete er als Witwer nach Longkamp.

 

4. Nachfolgende Generationen in Longkamp

Die zweite Ehe ging er 1720 mit Maria Kahr in Longkamp ein und zog in diesen Ort.  Fünf weitere Kinder wurden dort geboren. Mathias Klein starb 1729 in Longkamp. Auch in der nächsten Generation gab es einen Ortwechsel. Den im Jahr 1723 in Longkamp geborene Sohn Mathias (ID 336) zog es der Heirat wegen nach Hunolstein.

 

5. Nachfolgende Generationen in Hunolstein

Mathias Klein (geb. 1723 in Longkamp, (ID 336) war von meinen Vorfahren der erste dieser Namenslinie, der in Hunolstein lebte. Mit ihm beginnt eine lange Reihe von Kleins im Dorf an der Burgruine der ehemaligen Grafen von Hunolstein. Insgesamt 13 Kinder hatte Mathias Klein mit Elisabeth Stabeler. Er starb 1797 in Hunolstein.

Sein Sohn Johann Mathias Klein (ID 168) war das zweite Kind und wurde 1749 in Hunolstein geboren. Er heiratete die aus Fell an der Mosel stammende Anna Maria Capell.

Das Ehepaar hatte 5 Kinder, ebenfalls 5 Kinder entsprangen der zweiten Ehe von Johann Mathias Klein mit Maria Elisabeth Martini. Er ist der ersten Namensträger, von dem wir den Beruf kennen. Er war Tagelöhner.

Heiratseintrag von Mathias Klein (ID 168) aus Hunolstein, Sohn von Mathias Klein (ID 336) und Maria Capell, Tochter von Mathias Capell aus Fastrau im Jahr 1777 im Register des Kirchenbuchs.

 

Sohn Johann Adam Klein (ID 84) aus erster Ehe wurde 1784 geboren und wie damals alle in Hunolstein Geborenen in der Kirche Morscheid-Walholz getauft. Er ging dem Beruf des Ackermanns nach. Aus seiner Ehe mit Anna Maria Reitz entsprangen 6 Kinder.

Das Geburtshaus von Peter Klein (ID 42) auf einer Lithographie von Rothbarth (um 1866). Er zog vermutlich bei seiner 1. Eheschließung 1848 aus und bezog ein heute nicht mehr erhaltenes Haus gegenüber der heutigen Nr. 62.

 

Das vorletzte Kind war Peter Klein (ID 42), geboren im Jahr 1824. Er war zunächst mit Anna Maria Steinmetz (4 Kinder) und danach mit Catharina Pöck aus Haag (5 Kinder) verheiratet.

 

Wohnhaus der Eheleute Peter Kob und Maria Klein (ID 21). Der Enkel Helmut Zimmer wusste zu berichten, dass Peter Knob  2 bis 3 Tage nach seinem Abschied vom Großvater im 1. Obergeschoss starb.

Der zweiten Ehe entstammte Maria Klein (geboren 1864, ID 21), die einen unehelichen Sohn namens Mathias Klein (ID 10) mit in die Ehe mit Peter Knob brachte. Mit ihm hatte sie weitere 12 Kinder.

Maria Klein war eine außergewöhnliche Frau. Nicht nur, dass sie 13 Kinder auf die Welt brachte. Zwei Beispiele erzählte mir meine Mutter: Sie unterbrach die Feldarbeit und ging in den Wald. Als sie zurückkam wurde sie danach gefragt, was sie dort gemacht habe. Die kurze Antwort: "Es war nur eine Fehlgeburt" und sie setzte ihre Arbeit fort. Selbst mit 80 Jahren sprang sie noch aus einem etwa einem Meter hohen Fenster um Brennholz vom Hof zu holen.

Ihr Enkel Helmut Zimmer wusste zu berichten, dass sie von Hunolstein aus noch mit ca. 86 Jahren zu Fuß auf Verwandtenbesuch in Morscheid war (ein Weg ca. 8 km im Mittelgebirge). "Es wurde auch erzählt, dass sie in jungen Jahren ihren Bruder Sebastian in Birkenfeld besuchte und sich auf den ca. 30 km weiten Heimweg machte, als in den Häusern in Birkenfeld bereits die ersten Lichter angingen."  "Auch nach Trier (ca. 50 km entfernt) auf den Wochenmarkt soll sie gegangen sein um ihre Butter dort zu verkaufen."

Leider konnte bisher noch kein Foto von Maria Klein gefunden werden. Helmut Zimmer teilte mir mit, dass sie bis ins hohe Alter richtig rote Pausbacken hatte.

Maria Klein starb 1955 im Alter von 91 Jahren in Hunolstein.

 

 

Mein Großvater Mathias Klein (ID 10)

 

Mathias Klein wurde 1884 in Hunolstein geboren und ist mein Großvater. Ihn zog es aus der strukturschwachen Region des Hunsrücks mit seinem Bruder Gottfried II. in das damals boomende Ruhrgebiet. Als Kokerei-Facharbeiter heiratete er 1912 meine vom Eichsfeld stammende Großmutter Maria Viktoria Österheld. 1927 starb Mathias Klein an Krebs. Er hatte auf der Kokerei in Wattenscheid jahrelang Umgang mit der krebserregenden Substanz Benzol. Noch heute ist der Boden seines früheren Arbeitsplatzes stark kontaminiert und wird regelmäßig behördlich kontrolliert.

Die Existenz von Mathias Klein wurde von seinen zahlreichen (Halb-)Geschwistern aus Scham regelrecht geheim gehalten. Über das uneheliche Kind wurde in der Verwandtschaft nicht gesprochen und selbst 60 Jahre nach seinem Tod wussten zahlreiche seiner Nichten und Neffen nichts von ihm.  Sie waren völlig verblüfft als sie erfuhren, dass sie noch einen Onkel hatten. In Ahnentafeln der Familie wurde er schlicht weggelassen. Daran erkannt man leicht wie schambesetzt die Geburt eines unehelichen Kindes in der damaligen Zeit war.

Mathias Klein hatte insgesamt sechs Kinder. 1916 erblickte als drittes Kind Maria Klein (ID 5), meine Mutter, in Leithe (später Wattenscheid, heute Bochum) das Licht der Welt.

 

Maria geb. Klein (ID 5) um 1926 mit Bruder bei der Kommunionfeier, 1945 mit Mann und drei Kindern, 1960 auf einem Passbild, 1969 mit dem ersten Enkelkind und 1974 im Garten.

 

Meine Mutter Maria Klein wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1927 konnte ihre Mutter ihre 6 Kinder kaum ernähren. Nach der Schulzeit ging meine Mutter als Haushaltshilfe in Soest bei einem Gastwirt in Stellung. Sie arbeitete dort so hart, dass sie nach Feierabend beim Stopfen von Strümpfen einschlief und erst am nächsten Morgen wach wurde.

1942 heiratete sie den Witwer Bruno Grunenberg, der einen Sohn mit in die Ehe brachte. Im gleichen Jahr wurde das erste Kind geboren. Doch die ehe stand unter keine, guten Stern. Maria Klein wurde mit ihren den Kindern in die Tschechei evakuiert. Dort kam das dritte Kind zur Welt. Nach Kriegsende ging sie mit dem 7-, 3- und 1-jährigem Kind zu Fuß(!) von der Tschechei nach Wattenscheid zurück. Der Hunger war ständiger Begleiter. Das älteste Kind aus ersten Ehe "organisierte" mit nur 7 Jahren auf der Reise das Nötigste.

1954 wurde ich als 4. Kind geboren. Maria Klein arbeitete während ihrer Ehezeit als Hausfrau. Um 1990 zog sie von Wanne-Eickel nach Bochum-Wattenscheid in die Nähe Ihrer Schwester Anna Klein. 2004 starb sie demenzkrank in Gelsenkirchen und wurde in Bochum-Wattenscheid begesetzt .     

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Unterstützung und die vielen gegebenen Informationen bei den Enkeln von Maria Klein (ID 21): Heribert Knob und Helmut Zimmer.